TÜRK GÜCÜ BREIDENBACH

Mittelhessen war Gast bei Türk Gücü Breidenbach PDF Drucken

"Wir feiern dann das 50-Jährige" 

Im Fußballverein Türk Gücü Breidenbach spielt schon die dritte Generation

"Gücü" heißt "Kraft", erklärt der Sprecher des Fußballvereins Türk Gücü Breidenbach, Hürrem Tökez. In diesem    Verein sei manches anders als in den anderen heimischen Fußballvereinen, räumt er ein. "Aber auch wir wollen hier das 50-jährige Bestehen feiern können." 


Tökez und der zweite Vorsitzende des heute etwa 100 Mitglieder zählenden Vereins, Yokarribas Sendogan, wollen Kontinuität im Vorstand   von Türk Gücü Breidenbach. "Ich bin jetzt seit sieben Jahren dabei, zehn Jahre sollen es auf jeden Fall werden", betont Tökez. Sein Vater   sei einer der Gründer des Vereins gewesen, sein Sohn ist heute der Torwart der ersten Mannschaft. 1995 hat er selbst die A-Mannschaft  trainiert, da wurde der Verein Meister seiner Klasse, sagt er nicht ohne Stolz. "Türk Gücü ist auch unsere Familientradition."



1977 gründeten zwölf Männer in einer türkischen Gaststätte den Verein

In dieser Zeit habe sich Grundlegendes geändert: "Mein Vater hat immer gesagt, wir sind hier nur zur Gast. Er wird zurückgehen in die Türkei.         Aber ich nicht. Yokarribas und ich haben hier Häuser gebaut, unsere Söhne studieren in Kassel und Siegen, wir werden hier bleiben. Wir sind hier zuhause", sagt er.1977 war es noch die Generation der "Gäste", die sich in der türkischen Gaststätte von Refik Yolsal in Wolfgruben traf, berichten die beiden Vorstände. Damals spielten zwei Türken in der Fußballmannschaft des FV Breidenbach, hat Tökez Vater erzählt. "Die besten türkischen Spieler kamen schon unter, aber viele andere wollten auch spielen. Die meisten Männer arbeiteten in der Industrie, sie brauchten Ausgleichssport, sie mussten sich irgendwo auch mal austoben können", zitiert er seinen Vater. Und es sei darum gegangen, den jungen Leuten ein Angebot zu machen, "damit sie keinen Unfug anstellen. Sie sahen, dass für ihre Söhne etwas passieren muss." Also taten sich zwölf türkischstämmige Männer zusammen, jeder spendete 500 Mark, und mit diesem Geld startete "Türk Gücü Breidenbach".

Die Gründer hätten keineswegs einen türkischen, sondern einen integrativen Verein im Sinn gehabt, betonen Tökez und Sendogan. "Lange Zeit haben bei uns Spanier, Italiener und später Russen gespielt. Es war eine Mannschaft für alle." Auch Deutsche haben bei Türk Gücü gespielt, das finden die beiden gut. "Wir wollen ja eine integrative Mannschaft sein. Aber man braucht als Deutscher schon eine so starke Persönlichkeit, denn das macht einem nicht nur Freunde hier", sagt Hürrem Tökez. Soweit er sich erinnern kann, haben seit den 80er Jahren vier Deutsche bei Türk Gücü gespielt, einer sogar zwei Jahre lang, weil es ihm Spaß gemacht habe. Aber Tökez hat auch gehört, dass einige Leute im Dorf mit diesem Spieler deswegen nicht mehr gesprochen hätten.

 

Dass derzeit nur wenige Spieler, die nicht türkischer Abstammung sind, Interesse an Türk Gücü zeigen, verstehen die beiden Funktionäre aber gut. Ihr Vereinsheim in Wolzhausen sei in einem bedauerlichen Zustand, es gebe keinen Aufenthaltsraum, die Duschen seien nicht gerade einladend, berichten sie.
Auch der Hartplatz habe seine besten Zeiten hinter sich. Gerne würden sie auf den ehemaligen FV 09-Platz auf dem Hausberg in Breidenbach   umziehen. Leider sei kürzlich in das Funktionsgebäude eingebrochen und alles zertrümmert worden. "Es wird jetzt wohl noch ein bisschen dauern, bis alles wieder benutzbar ist, aber wir wollen auch so viel wie möglich selbst machen", sagt Tökez.

"Uns fehlt die Generation der Älteren, die sich um vieles kümmern"

Schwierig sei es für den Verein auch, weil die Elterngeneration der jetzigen Vorstandsmitglieder mehr oder weniger ausfalle. "Wir haben keine Rentner, die sich um den Platz kümmern oder um den Verkauf von Essen und Getränken bei Heimspielen. Unsere Eltern gehen zurück in die Türkei, wenn sie ihr Arbeitsleben hinter sich haben", sagt Sendogan. Deshalb gebe es bei Türk Gücü für alles, vom Rasenmähen bis zur Öffentlichkeitsarbeit oder Organisation, immer nur den Vorstand. "Beim letzten Heimspiel habe ich einen Grill organisiert und Hackfleisch gegrillt. Das fanden alle gut", erzählt er.
Diese Belastung sei mit daran schuld, dass die Vorstandsmitglieder oft viel zu schnell wechselten. "Aber das geht so nicht. Wenn man immer neue Leute hat, die nicht eingearbeitet sind, kann man nichts bewegen. Es geht nichts vorwärts", bedauert er. Deshalb habe er auch beschlossen, mindestens zehn Jahre im Vorstand zu bleiben und für Kontinuität zu sorgen.
Das 30-jährige Bestehen im Jahr 2008 hat der Verein nicht gefeiert. "Uns fehlte einfach die Arbeitskraft dazu, ein Fest zu organisieren." Aber das 50-Jährige wollen sie dann doch feiern, versichern Tökez und Sendogan. Denn: Sie haben andere Pläne als die Generation ihrer Eltern, betonen die beiden noch einmal mit Nachdruck: "Wir bleiben hier, wir werden hier unsere Enkel Fußball spielen sehen." Quelle: www.mittelhessen.de

 
IMG_1425.jpg

Statistiken

Benutzer : 3
Beiträge : 8
Weblinks : 1
Seitenaufrufe : 8358

Wer ist Online?

Wir haben 1 Gast online